
| Ich träumte in der Nacht einen langen und intensiven Traum. Ich träumte die Welt. Die Welt, mit all ihren Wundern und Rätseln. Ich träumte ihre Entstehung, ich träumte den Weg der allerersten Staubkörner, die sich zu neuen Formen ballten, größer und vielfältiger wurden. Ich träumte von wirbelnder Luft, die sich mit weich mit dem Harten verband. Ich träumte, wie sich das Leben aus dem schützenden Meer hervorwagte, und wie es immer selbstsicherer die Erde eroberte.Ich träumte von gewaltigen Bäumen, die bis in den Himmel ragten und von zerbrechlichen Blüten, die scheu ihre Schönheit entfalteten. Ich träumte von seltsamen Geschöpfen, von Giganten, die die Welt beherrschten und wieder vergingen, von Wesen, die den Himmel eroberten und von solchen, die das tiefe Dunkel der Ozeane bevorzugten. Ich träumte von wilden Tieren, die ungezähmt durch die Einsamkeit der Welt zogen und von Rudeln, die friedlich in ihrem Heim hausten. Und ich träumte von Menschen. Ich träumte, wie sich ein einziges Wesen zum aufrechten Gang erhob, wie es lernte zu sprechen, zu denken und seine Gedanken auszudrücken. Ich träumte von Frauen und Männern, von Jungen und Alten. Ich träumte von ihrem langen Weg, von ihren Entdeckungen, wie sie sich die Urelemente zu eigen machten. Ich träumte vom ersten Herdfeuer, von den Aquädukten, von riesigen Gängen, die sie in die Erde gruben, und davon, wie sie den Himmel mit seltsamen Gebilden eroberten. Ich träumte von ihren Taten, von ihren Worten. Von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod - ich träumte die Geschichte der Menschheit. Ich träumte von ihren Ängsten, von ihren Sorgen und von ihren Gefühlen. Ich träumte von Hass, so abgrundtiefem und glühendem Hass, der alles um sich herum in einer Flamme der Kälte erstickte - und von Liebe, die so mächtig war, daß sie Licht aus Dunkel schaffen und Brücken über Abgründe schlagen konnte, die zuvor niemand zu überqueren gewagt hätte. Ich träumte von Angst und Krieg. Ich träumte von so vielen Tränen, die ein Weltmeer füllen könnten. Ich träumte von tiefrotem Blut und ich stöhnte in meinem Traum, über all das Leid, das ich sah. Ich träumte von Verbohrtheit und sinnlosem Fanatismus, von Lüge, Niedertracht und Feindseligkeit. Doch ich träumte auch von Frieden und von Glück. Ich träumte von Freundschaft, die so tief war, daß nichts Böses dieser Welt ihr etwas anhaben konnte. Ich träumte vom Entstehen eines neues Lebens in der Welt und, von den Wundern der Welt, die es mit großen, staunenden Augen sah. Ich träumte von dem Schönen, das die Menschen erschaffen hatten. Ich träumte von Klängen und Melodien, die tief im Inneren verborgene Saiten anzuschlagen schienen. Ich träumte von farbenfrohen Gemälden und Skulpturen, in denen die Menschen versuchten, den Augenblick für immer festzuhalten. Ich träumte vom geschrieben Wort, das die Menschen zum Lachen und Weinen brachte. Ich sah im Traum Königreiche entstehen und vergehen. Ich träumte von großen Herrscher und weisen Wissenschaftlern, von Menschen, die andere erheitern, und von solchen, die andere zum Nachdenken bringen wollten - sie alle prägten die Welt, ehe sie ihren Abschied nahmen. Ich träumte von der strahlenden Sonne und dem fahlen Mond, von tausenden Sternen, die glitzernd den Himmel schmückten, der sich über die Welt neigte. Ich träumte vom hellen Tag und von der Nacht, die ihr Dunkel über die Welt senkte. Und ich träumte von einem winzigen Planeten, einsam und verloren leuchtete er blau in der unendlich schwarzen Leere, die ihn einhüllte. Doch dann wachte ich auf - und es gab keine Welt mehr. |