
| Es war einmal ein kleiner
Wunschhamster namens Jeany, der lebte in einer kleinen goldenen Flasche. Er war wirklich
zufrieden mit seinem Heim! Denn es war ausgepolstert mit rotem Samt und blauem Plüsch...
es hatte ein goldenes Laufrad und eine silberne Trinkflasche. Schon sein Vater, Großvater
und Urgroßvater waren Wunschhamster gewesen und hatten in einer ähnlichen Flasche
gehaust. Der kleine Hamster kannte nichts anderes...er wußte nichts von der Sonne und dem
Mond, von den Sternen, von Regen oder Wind. Er radelte, schlief und fraß - und wartete
auf den Tag, an dem endlich jemand seine Flasche reiben, und er sehen würde, was hinter
den goldenen Wänden steckte. Eines Tages, als er munter vor sich hinradelte, spürte er auf einmal eine Erschütterung, und alles flog durcheinander in seinem kleinen Heim. Zu gern hätte er ein Fenster gehabt, durch das er hinausschauen konnte, um zu sehen, wer oder was daran schuld war! Auf einmal hob sich der Deckel seiner Flasche, und Jeany blinzelte ungläubig in das grelle Licht, das sich durch einen immer größer werdenden Spalt in die Flasche ergoß. Er hatte so etwas noch nie gesehen.....staunend reckte er seine Vorderpfoten in die Höhe. Der Deckel hob sich immer mehr und er sah etwas, das seine Urahnen als "Hand" beschrieben hatten. Ehrfürchtig erstarrte er, denn er wußte, daß der Moment gekommen war, auf den er sein ganzes Leben lang gewartet hatte. Sein ganzes Heim war nun erfüllt von dem hellen und warmen Licht. Die Sonnenstrahlen schienen bis in die hinterste Ecke zu dringen, und die Dunkelheit und den Staub seines ganzen Hamsterlebens mit Lachen herauszutreiben. Da sah er ein Gesicht, das in die Flasche schaute: Zwei große Augen sahen ihn erstaunt an, und er erwiderte den Blick ebenso erstaunt. "Wer bist du denn"? fragte eine Stimme - so fremdartig und doch so lieblich, wie er noch nie zuvor gehört hatte. Er konnte nicht sofort antworten, zu beeindruckt war er von dieser neuen Wendung, die ihn ereilt hatte. Der Augenblick schien stillzustehen, als er seine kleinen Knopfaugen über das Gesicht gleiten ließ. Die braunen Augen schauten ihn freundlich an, und noch nie hatte er größere Wärme in etwas gesehen. Er erkannte, daß das Gesicht zu einem Mädchen gehörte - einem Mädchen"! Nur in seinen Träumen waren ihm die Menschen bisher erschienen...Er zitterte leicht vor Aufregung, denn endlich erkannte er, daß die ganzen Geschichten der Hamstergenerationen vor und vor ihm tatsächlich wahr waren. Nach einem Räuspern brachte er mit hoher, fiepsender Stimme heraus: "Ich....ich b-bin ein Wunschh-h-hamster!" Das Gesicht des Mädchens wurde von einem strahlenden Lächeln erhellt. "Soso, ein Wunschhamster?" "Ich bin Tixi - schön dich zu treffen!" Und sie schob vorsichtig einen Finger durch die enge Luke in der Flasche, um ihm die Pfote zu schütteln. Jeany fühlte, wie ihn dieses Lachen ansteckte und fügte nun mutiger hinzu: "Wenn du meine Flasche reibst, dann darfst du dir etwas wünschen!" Die Augen schauten erstaunt: "Etwas wünschen?" Für einen kurzen Moment schienen sie zu grübeln.Doch dann hatte sie einen Entschluß gefaßt: "Ich wünsche mir.....ich wünsche mir, daß du für immer bei mir bleiben kannst!" Und ein seltsames Summen breitete sich in der Flasche aus. Auf einmal war alles in goldenes Licht getaucht- und im nächsten Moment fand sich Jeany auf der Hand von Tina wieder. In der Ecke sah er sein neues Heim - und da waren ja auch sein Laufrad und seine Trinkflasche! Glücklich kuschelte er sich in die warme Hand, die ihn liebevoll streichelte. Als er langsam einschlief, wußte er, daß seine Vorfahren recht hatten, als sie weise nickend sagten: "Der Hamster, der den richtigen Wunsch erfüllen darf, wird glücklich sein für den Rest seines Lebens und für die Ewigkeit." |