
| Welcher Hobbyschreiberling träumt nicht davon: die eigene Geschichte
oder sogar ein Buch groß
rauszubringen, Ruhm und Kohle einzuheimsen und in den Buchläden die
Schaufenster zu füllen. Doch bis dahin ist es meist ein langer und
beschwerlicher Weg. Und nicht jeder, der Interesse an dem eigenen Werk
anmeldet, ist ein guter Weggefährte. Ich wurde selbst schon zweimal mit unseriösen Angeboten konfrontiert, von denen man normalerweise nur in der Zeitung liest...Glücklicherweise habe ich keins davon angenommen, weshalb ich auch nochmal meiner Familie danken will, die mich in solchen Situationen immer gut beraten habe :o) Auch, wenn man im ersten Moment geehrt ist, daß ausgerechnet die eigene Geschichte "ausgewählt" wurde, sollte man einen kühlen Kopf bewahren und sich einige Tage Zeit nehmen, um über das vermeintlich verlockende Angebot nachzudenken. Mein Bericht beginnt im November letzten Jahres, als ich mit einer Gutenacht-Geschichte an einem Schreibwettbewerb der Münchner Palette teilnahm. Da ich nichts mehr davon hörte, ging ich zu Recht davon aus, daß meine Geschichte nicht unter den Gewinnern war. Einige Zeit darauf flatterte mir ein Brief ins Haus, den anscheinend leider verlegt habe - falls ich ihn wieder finde, werde ich den genauen Wortlaut wiedergeben. Der Inhalt lautete in etwa wie folgt: Leider hat Ihre Geschichte keinen Preis erhalten. Die prämierten waren *xxxx* . Aber das kann doch nicht alles gewesen sein, dachten wir uns. Und so sind wir auf die Idee gekommen, die 50 besten Geschichten auszusuchen und sie in einem Buch herauszubringen. Und Ihre ist dabei! Das Buch wird illustriert von XY, soll zu Weihnachten rauskommen. Allerdings müssen Sie sich verpflichten, 20 Exemplare zu einem speziellen Autorenpreis von 20 DM (oder 10 DM, ich weiß es nicht mehr genau) abzunehmen, um die Druckkosten zu finanzieren. Ansonsten können wir das finanzielle Risiko nicht tragen. (und so weiter) Im ersten Moment war ich von den Socken: Meine kleine Geschichte in einem Buch......natürlich würde ich das machen! Und die 20 Exemplare würden schon ihre Abnehmer in Familie und Bekannten finden. Doch dann führten die Gedanken weiter: Mit 20 festverkauften Exemplaren an die Autoren würden sie also den Druck finanzieren. Aber was passiert dann mit den Einnahmen der zusätzlich verkauften Bücher? Davon stand ja nichts in dem Brief....Im Endeffekt lief die ganze Sache darauf hinaus, daß sich das Buch allein durch die Autoren finanzieren sollte, und der Rest der Einnahmen - ganz ohne finanzielles Risiko - dem Verlag zufließen konnte. Nicht mit mir! Ich habe auf den Brief nie geantwortet - aber ich möchte nicht wissen, ob und wieviele auf dieses Angebot eingegangen sind. Ein paar Tage später erzählte mir meine Mutter, daß in der Zeitung genau von diesen Praktiken gewarnt wurde. Und man kann nicht oft genug davor warnen! ----------------------------------------- Mit genau derselben Geschichte geht mein Bericht weiter. Ende Oktober sprach mir ein bayrischer Verlag auf den Anrufbeantworter: Ich hätte vor einiger Zeit mit der Geschichte von der Biene bei einem Wettbewerb mitgemacht. Jetzt wollten sie diese Geschichte auf Kassette rausbringen, es handele sich um 4 Geschichten auf 2 Kassetten, gesprochen von Dr.XY. Leider sei das Projekt nicht sehr großzügig kalkuliert, weshalb sie mir als Lizenzzahlung nur 20 Kassetten geben könnten. Außerdem sei die Sache leider Gottes sehr dringend, weshalb ich möglichst bald anrufen sollte. Nach einigem Beraten rief ich am nächsten Tag dort an und bat die Dame, mir das Angebot doch schriftlich zu schicken. Sie willigte ein, "kein Problem" und verabschiedete sich. Am Wochenende hatte ich dann Besuch von einer Freundin, die das ganze einem Bekannten erzählt hatte, der sich in der Branche auskennt. Sein Kommentar zu der Zahlung: "20 Kassetten? Das ist absolut unüblich.....was soll sie damit, soll sie sie auf dem Flohmarkt verkaufen??" Netterweise hatte er sich auch bereit erklärt, das Angebot auf Fußangeln und ähnliches zu prüfen, und eventuell auch dort anzurufen und einiges zu klären (z.B. wer dann das Recht auf die Geschichte hat usw.). Ich wartete einige Tage auf den Brief. Als nach fast einer Woche immer noch nichts gekommen war, rief ich noch einmal bei dem Verlag an. Die Dame erklärte mir, daß die Woche zuvor eine andere Dame an Ort und Stelle zugesagt hätte, und sie diese Geschicte dann genommen hätten, weil das ganze so "brisant" war. Die Sache hätte sich somit erledigt gehabt. Was ergibt sich aus dieser Geschichte? Erstens kam es dem Verlag gar nicht auf meine Geschichte an, sondern nur auf eine, deren Urheberin sofort zusagebereit war. Somit schieden alle aus, die vorher ein schriftliches Angebot haben wollten. Zweitens hielten sie es nicht einmal für nötig, mir abzusagen. So etwas verstehe ich nicht unter einem seriösen Verlag. Und ich kann nur noch einmal sagen: Prüft die Angebote, die ihr bekommt, ganz genau. Laßt euch Zeit, um darüber nachzudenken. Und fordert erst einmal schriftliches an, das ihr in der Hand habt, und das ihr genau prüfen könnt. Denn auch wenn eure Geschichte noch so kurz ist, oder in euren Augen kein Meisterwerk - sie ist zu wertvoll, um sie unseriösen, geldgierigen Geschäftsmachern in den Rachen zu schmeißen! In diesem Sinne viel Erfolg beim Schreiben - Anne |