| Nach einem schönen Wochenende in Zeeland/Niederlande komme ich gegen 18 Uhr am Bahnhof Bruxelles-Nord an. Der Regionalzug ist ziemlich verdreckt, da es an den Plätzen keine Abfalleimer gibt und jeder seinen Müll einfach auf den Boden stellt. Der einzige Mitfahrer im Abteil beäugt mich mißtrauisch, als ich versuche, mit meiner Digicam durch die ebenfalls dreckigen Scheiben die Abendstimmung vor Industriegebäuden einzufangen. Es gelingt mir nicht, und ich wechsele schnell und unauffällig das Abteil. Der Bahnhof ist einsamer, als ich mir vorgestellt hätte, ist ja aber auch nur ein Vorbahnhof zur Central Station. Mit meinem Trolly und einer Brüsselkarte mache ich mich auf den Weg zu meinem Hostel. Die Gegend erinnert mich sehr stark an die Bahnhofsgegend in München. Sehr grau, breite Straßen und große, noble Bürogebäude. 5 Minuten später muß ich links abbiegen und stehe auf einmal in einem baufälligen Viertel: große Schutthaufen, kaputte Häuser, verbogene Maschendrahtzäune. Dieser krasse Gegensatz zwischen Nobel- und alten Gebäuden, die dicht nebeneinander stehen, soll mir noch öfter begegnen. | |
Zum Hostel sind es etwa 10 Minuten Fußmarsch, und ich schraube meine ohnehin niedrigen Erwartungen noch weiter herunter. Am Botanischen Garten vorbei, der aus einem kleinen Park und einem großen Gebäude mit Orangerie besteht, durch die Rue du Damier, wo sich in der Nummer 23 das .:: "Centre Vincent Van Gogh; ::. befindet. Ich habe es mir daheim im Internet aus einer .:: Übersicht ::. über die Hostels Brüssel herausgesucht, da es keine Sperrstunde hat, und auch nicht tagsüber wegen Putzarbeiten geschlossen ist. Der Typ an der Rezeption ist sehr nett und der Aufenthaltsraum macht einen guten Eindruck. Ich bekomme nochmal Studentenrabatt und zahle somit pro Nacht etwa 15 Euro im Dreibettzimmer. Mit einer Chipkarte werde ich quer über die Straße zur Nummer 13 geschickt, in der sich "im Garten" mein Zimmer befinden soll. Etwas unsicher begebe ich mich auf den Weg dorthin und werde wirklich angenehm überrascht. Zimmer 104 liegt zum Innenhof hin, in dem sich ein kleiner Garten mit Rasenfläche befindet. Die Zimmer im Garten haben alle einen eigenen Eingang, es handelt sich anscheinend um die Doppel- und Dreibettzimmer. Allerdings muß ich nochmal zur Rezeption zurück, da meine Karte partout nicht die Tür öffnen will, was mir noch öfter passieren wird.
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| Auch das Zimmer gefällt mir sehr gut. Durch einen eingezogenen Boden mit einer steilen Treppe nach oben entstehen zwei "Räume", im unteren stehen zwei Betten, im oberen eins, das ich mir gleich sichere. Das Bad mit WC und Dusche befindet sich ebenfalls unten und ist nur durch eine Schiebetür vom Raum getrennt. Da der Raum bei mir aber nur mit Mädchen besetzt wird, ist das OK. Nachdem ich mein Gepäck die Treppe hochgeschleift habe, beschließe ich, mich ein bißchen in der Stadt umzusehen, etwas zu essen und im .:: Easy Everything ::. vorbeizuschauen. Mit dem Stadtplan bewaffnet gehe ich Richtung Innenstadt, wieder entlang an breiten Straßen mit vielen Bürogebäuden. Auch an der schön beleuchteten Cathédrale Saint-Michel komme ich vorbei, doch irgendwie schaffe ich es, alle Restaurants großräumig zu umgehen. Obwohl es erst 20 Uhr ist, sind die Straßen ziemlich leer und mir wird ein wenig mulmig, alleine unterwegs zu sein. Nachdem ich dann vom Internetcafé aus von einem aufdringlichen Typen "verfolgt" werde und ihn nur durch Flucht in den McDonalds loswerden kann, beschließe ich, lieber wieder zurück ins Hostel zu gehen. Auf dem Rückweg werde ich noch einige Male angesprochen. Später erhalte ich von meiner Zimmergenossin die Bestätigung, was ich mir schon gedacht habe: Brüssel ist abends für Frauen nicht so sicher, man soll lieber in einer Gruppe losziehen und auch nicht viel Geld mitnehmen. Also verschiebe ich weitere Stadtbesichtigungen auf morgen und gehe lieber früh ins Bett. Irgendwann später werde ich nochmal geweckt, weil eine Spanierin ebenfalls mit der Tür zu kämpfen hat. Sie ist ziemlich froh, daß ich sie von innen hereinlasse, zieht aber gleich mit ihrer Begleitung wieder ab und ich schlafe endlich ein. | |